Die Corona-Warn-App

Großprojekt klein gemacht

Die Corona-Warn-App könnte Leben retten, der Wirtschaft helfen und psychisches Leid lindern – wenn sie mehr dürfte und könnte.

Von Viktor Mayer-Schönberger und Thomas Ramge \18. November 2020 DIE ZEIT Nr. 48/2020, 19. November 2020

Was nützt die Corona-Warn-App im Kampf gegen die zweite Welle? Die Antwort aus datenwissenschaftlicher Sicht lautet: Wir wissen es nicht. Der Grund: Die deutsche App ist “datensparsam” aufgesetzt. Es werden nur so viele Informationen gesammelt, wie für “anonymes Warnen” unbedingt notwendig sind. Diese Datensparsamkeit hat leider auch zur Folge: Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Corona-App sind kaum möglich.

Eine Anschlussfrage drängt sich auf. Wäre die App anders gestaltet, nämlich datenreich, arbeitete sie zusätzlich mit GPS-Daten und wäre sie außerdem mit einer eindeutigen Identifikationsnummer bestückt (sodass die Kontakthistorie eines Menschen konsequent erfasst würde) – könnten dann die Gesundheitsämter mithilfe der App die Infektionsketten effektiver unterbrechen? Auch hier lautet die Antwort der Wissenschaft: Wir wissen es nicht. Denn bislang hat kein Land eine solche App erfolgreich ausgerollt.

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Die Autoren

Der Jurist Viktor Mayer-Schönberger ist Professor für Internet-Regulierung an der Oxford University und seit 2018 Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung. Der Wirtschaftsjournalist Thomas Ramge ist Research Fellow am deutschen Center for Advanced Internet Studies (CAIS), dessen erklärtes Ziel es ist, an der gesellschaftlichen Gestaltung der Digitalisierung durch Forschung mitzuwirken. Kürzlich erschien von den beiden Autoren im das Buch Machtmaschinen – Warum Datenmonopole unsere Zukunft gefährden und wie wir sie brechen

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