Coronavirus und Campus Hochschulen

Nicht-Semester, Solidar-Semester oder doch Kreativ-Semester?

Den Beginn des Sommersemesters haben die Hochschulen schon verschoben. Ende April soll es losgehen. Wie genau der Lehrbetrieb aussehen wird, weiß aktuell niemand. Aber es gibt Ideen.

#nichtsemester - Die Petition

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​ Foto: Screenshot der Petition.

Vor einer Woche hat der Rektor der Uni Duisburg-Essen und Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Ulrich Radtke, im Deutschlandfunk (DLF: Corona und Hochschulen) vom kommenden Semester als einem Nichtsemester gesprochen. Alsbald wurde die Idee von drei Professorinnen Villa Braslavsky (LMU München), Andrea Geier (Universität Trier) und Ruth Mayer (Leibniz Universität Hannover) aufgegriffen. Über einen offenen Brief starteten sie eine Online-Petition.

Der komplette Wechsel zur digitalen Lehre wäre nicht möglich, so heißt es, da die technische Infrastruktur überlastet ist und Lehrende wie Studierende mit dem notwendigen digitalen Know-How nicht vertraut sind. Um „konstruktiv im Sinne der Studierenden“ zu handeln, könne es „nicht darum gehen, so schnell wie möglich den Lehr- und Prüfungsbetrieb online wiederherzustellen“. Lehre solle in reduzierter Form stattfinden, Studierenden dürften keine Nachteile wegen nicht erbrachter Studienleistungen erfahren. Siehe auch @geierandrea2017.

Binnen weniger Tage unterzeichneten über 2400 Personen aus dem Hochschulbereich. Unterstützt wird die Online-Petition unter anderem auch von Studierendenverbänden wie dem fzs und der Bildungsgewerkschaft GEW. Auch Politiker und Wissenschaftsorganisationen schlossen sich der Forderung an.

Doch wenn eine gute Idee auf die Realität trifft, zieht sie den Kürzeren und der Streit ist nicht allzu weit entfernt. Und er fängt oft mit den Begriffen an.

Wenn der Wettstreit um die Umsetzung der Idee nur halb so engagiert wird wie der um ihre Bezeichnung, dann könnte dieser in der Geschichte des wiedervereinigten Deutschlands einmalige Studienabschnitt sogar zum Gewinn für alle Beteiligten werden. (Jan-Martin Wiarda in seinem Blog).

Wie könnet das aussehen? Nun, zum Beispiel so.


Solidarsemester: Die Super-Zivis

Für ein Solidar-Semester plädiert die Journalistin Anna-Lena Scholz in der ZEIT Nr. 14 vom 25. März 2020.

Studierende und Professoren könnten in der Corona-Krise ganz besonders helfen.

Studierende der Medizin machen es vor, Tausende haben sich in den Kliniken gemeldet, um auf den überlasteten Stationen auszuhelfen. Kommilitonen anderer Fächer stoßen Initiativen in der Nachbarschaft an, gehen für alte Menschen einkaufen. Einige Hochschulen verteilen Freiwillige auf Hilfsprojekte.

Dieses Engagement sollte sofort ausgebaut und gefördert werden.

In der kommenden Zeit wird überall Unterstützung nötig sein: in Verwaltungen, Betrieben, der Landwirtschaft, im Einzelhandel, in Sozialeinrichtungen.

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Dieses Semester darf beim BAföG nicht als regulär gewertet werden

Nicht ganz so weit geht der Berliner Wissenschaftssenator Steffen Krach. In einem Interview mit Jan-Martin Wiarda vom 24. März 2020 hat er sich zu den Digitalisierungs-Nothilfen für Berlins Hochschulen, einem bundesweiten Hochschul-Digitalpaket und den Forderungen nach einem Nicht-Semester geäußert. Er fordert mehr Flexibilität der Hochschulen durch Verlängerungen der Abgabefristen und Verschiebungen der Prüfungen.

Und ja, er fordert auch Kreativität und Fairness.

Die Bezeichnung “Nicht-Semester” wäre nicht meine Wortwahl, ich würde lieber von einem Kreativ-Semester sprechen, indem alle schauen, was machbar ist. In dem wir versuchen, über Online-Formate möglichst viel möglich zu machen. Indem alle Seiten sehr kulant und fair miteinander umgehen sollten: die Professorinnen und Professoren mit den Studierenden, die Hochschulleitungen mit den Beschäftigten – und die Politik mit allen Beteiligten.

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